Radteam Tharandter Wald

Fichkona 2022 – Grillen und Chillen bis in den Herbst


Die Welt ist verrückt geworden, nichts ist mehr so wie es war, ABER FichKona (FiKo) muss sein!fiko22 1
Die Wintervorbereitungen, wofür auch immer, liefen fantastisch. Dank den unermüdlichen, wöchentlichen Kämpfen an der virtuellen TeamPinky Front, kam ich im April aus dem Keller wie ein Rennradbolide. (A.d.R. Bkool.com ist ein spanischer Betreiber einer virtuellen Trainingsplattform. Hier kann jedermann mitmachen, die spanische Mehrheit ist aber nicht zu übersehen).
Man wird es wahrscheinlich nicht glauben, aber im Februar dieses Jahrs habe ich sogar einen der spanischen Widersacher live in Berlin getroffen. Das Bier ging auf mich und unsere TeamPinky Mannschaftstasse war ebenfalls eine kleine Aufmerksamkeit für die unermüdliche Organisation der virtuellen Radrennen. Dank seiner Frau (unsere Übersetzerin) konnten wir uns ein wenig über seine Heimatregion – das Baskenland - und über weitere spanische und deutsche Mitfahrer austauschen und hatten am Ende sogar das Gefühl, dass es die virtuellen Fahrer auch in echt gibt. In unserem deutschen Team kennt man sich ja auch bereits teilweise persönlich, ein wirklich lustiger und ambitionierter „Haufen“. Der Wintersport hat somit auch eine familiäre Note bekommen und alle freuen sich schon irgendwie auf den Herbst, wenn es dann wieder heißt >> ForzaTeamPinky (GER)!


fiko22 2Der Frühling kam und die Outdoorsaison begann. Etwas wackelig am Anfang, aber bei natürlichem Licht und an der frischen Luft fährt es sich doch am Besten. Gemäß der Devise – trainiert wird immer, wer weiß wofür es gut ist und Spaß macht es ja auch. Somit ging es in unserer sächsischen Heimat dann wieder richtig zur Sache. Unser neues TeamERZTALER Design Trikot kam nun richtig zur Geltung. Nicht nur hier waren die Straßen wieder gut mit Rennradlern versehen, sondern auch im Land des Marco Pantani. In der südöstlichen Emilia Romagna verbrachten wir eine Woche im Trainingslager bei vielen Kilometern und heißer Schokolade. Eine Freigabe der Rennleitung zur FichKona hatten wir allerdings zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht.
Die Ausgangsbedingungen bei der diesjährigen FiKo wieder mitradeln zu dürfen, waren denkbar ungünstig. In den letzten beiden Jahren hatten wir Startplätze in Trondheim, für die Strecke nach Oslo. Dies ist zweimal dem großen „C“ zum Opfer gefallen - schade. Das traf auch für die FiKo 2021 zu und alle dort gemeldeten Starter (wir ja nicht) wurden auf dieses Jahr übertragen. Auf Anfrage beim Veranstalter bot sich für uns, als Nachrücker, dann doch noch überraschend die Möglichkeit an, wieder an diesem Event teilzunehmen. Einige übertragene Fahrer hatten andere Pläne und die Pandemie ließ sicherlich diese Langstreckenfahrt auch in einem anderen Licht erscheinen. Fakt war, wir hatten einen Startplatz, nicht zum Nikolaustag, aber pünktlich zu Ostern. Es war sofort wieder das kribbelige Gefühl da >> nun musste Training her und die Gesundheit gepflegt werden. Das Kap formte sich im Kopf wieder zum Jahreshighlight und ein Kilometerrausch sollte sich anbahnen.
Mit den Mannschaftskollegen für die FiKo wurde dann schnell so eine Art „Plan“ gemacht, damit wir unsere Vorbereitungen optimal in Richtung Langstrecke ausweiten können. Ganz diszipliniert gab es größere Runden Richtung Děčín 200km, über die Augustusburg zur Steilen Wand 200km, den Sachsendreier 300km (C+L+DD) und durch Mecklenburg bei der MSR300 300km - wobei das eher eine Massagetour war. Immer an meiner Seiter oder eher davor, der treue Lucky… aber dazu später noch. Letztlich bin ich dann mit rund sechstausend Kilometern Vorbereitung ans Meer gestartet.
fiko22 3FichKona (-1Woche) – die letzten offiziellen Elektronachrichten trudelten ein. Es sollte ein paar Umfahrungen geben und wir müssen einen Schlafsack mitführen - schrieben sie - weil es im Camp kein Bettzeug mehr gibt. Das war eh einfacher, da das Beziehen und Abziehen der Betten somit wegfielen. Mein Rad-Fuhrpark war gut strukturiert und betriebsbereit. Wenn es regnete, konnte ich im Vorfeld auf das weiße Canyon Rad zurückgreifen und bei schönem Wetter wurde das BMC genutzt. Das schont die Technik und verteilt den Verschleiß - gerade jetzt, wo es kaum noch Ersatzteile gibt. Einen Glücksbeutel von den mitfiebernden Kolleginnen gab es und das Roadbook auf dem Oberrohr war ebenfalls vorbereitet >> ready to start!
Die Wetterprognosen – wieder das leidige Thema – auf die schaute ich erst kurz vorher- es war ein heißer trockener Tag, eher ein sehr heißer Tag vorhergesagt. Das kam mir doch bekannt vor >> 2018? Da gab es schon einen Rennbericht und ich konnte mir noch ein paar Feinheiten aus den Erinnerungen auffrischen. In letzter Minute musste leider unser Steffen seine Teilnahme absagen, da war es wieder das „böse C.“- Schade! Je mehr ich dann in meinen Körper hineingehört habe, umso mehr ahnte ich… ne, ne, bei mir war alles OK. Keinerlei Aufreger in den Tagen davor, das konnte doch nicht sein...
In diesem Jahr brachten mich meine Frau und mein kleines Töchterlein zum FischtelBersch. Im Gepäck hatten wir noch unseren RTTW- Präsi und den RTTW- Pacemaker. Entspannte Stimmung auf der Fahrt zum Start. Die Nervosität war bei uns erfahrenen Fahrern dennoch präsent. Wieder so ein heißer Ritt zum Kap… naja- wenigstens kein Dauerregen. Die Räder wurden fertig gemacht, die Startunterlagen abgeholt und dann konnten wir die Anspannung auf dem Fichtelberg bei jedem anderen Fahrer wahrnehmen. Viele, viele bekannte Gesichter, shake hands und viel Glück in alle Richtungen. Man war unter sich und bei rund 170 Fahren. Da kannte ich schon den einen oder anderen oder man kannte mich. Da fummelten wir also in unserer RTTW Vorbereitungsecke und ein mintgrüner Radsportler begrüßte mich… „Mensch was machst du denn hier“ fragte er mich, das hätte ich wohl eher fragen sollen… Es war ein sehr guter Bekannter aus Dresden, den ich schon oft auf den Events des RTTW (Radteam Tharandter Wald) als Fahrer gesehen habe. Die übliche Frage zuerst: Wie oft bist du schon gefahren? Er meinte: „es wäre heute das erste Mal…“ soso, „bei mir würde es das neunte Mal sein“ erwiderte ich, auch schon mit ein bisschen Stolz. Für welche Gruppe er sich entschieden hat, wollte ich dann auch noch wissen und als die Antwort dann tatsächlich bei mir ankam, da konnte ich es nicht glauben… für Gr4 hatte er sich entschieden. Hmmm, das kann doch nicht sein, dachte ich so, aber anderenfalls, so gut kannten wir uns beim tatsächlichen Rennradfahren auch nicht… Also ging ich mal „nur“ nach dem Äußeren und versuchte diesen athletischen Radfahrer zur Gr2 zu überreden. Seine Frau stand gleich mit in der Runde und beobachtete meine charmanten Überredungskünste durchaus argwöhnisch. Von 4 auf 2, das ist schon ein größerer Schritt! Meine gesamten RTTW’ler & friends haben sich geschlossen für die erste Startreihe der ersten Gruppe entschieden - da war ich semi beeindruckt und als dann der Lucky auch noch zu den Eins‘ern gewechselt war, da stand ich mit Diddi allein in der Gr2. Viel Glück – Lucky, er hat es drauf dort mitzuhalten und die Race zum Meer zu überstehen. Somit brauchte es Verstärkung. Also, noch einmal mit dem BianchiMann reden und reden und reden… ich bekam schon ein leicht schlechtes Gewissen, aber dann sagte er zu und verlud seinen blauen Reisebeutel in das Begleitfahrzeug Gr2. Jetzt hatte ich wieder ein Stück mehr Verantwortung als mir lieb war, aber ihn konnte ich nun nicht mehr allein lassen. Das heißt Hinweise zur Anzugsordnung und die Pausenorga waren natürlich in der Betreuung inbegriffen. Ich verstaute dann ebenfalls meine Taschen in den Fahrzeugen und dann sammelten wir uns alle zum obligatorischen Gruppenbild

#ForzaTeamERZTALER feat. by RTTW.fiko22 4

Dann konnte es auch schon losgehen, die Friedensglocke leutete >> bei angenehmen 21 Grad auf dem Fichtelberg - 10:05Uhr- in Gr2 reihte ich mich gleich in die erste Startlinie ein - dritter von rechts.

Relativ zügig und immer mit reichlich Abstand zum Führungsfahrzeug, bügelten wir über die Wellen bis zur ersten Biopause nach 40km - Herold. Hier war die Anspannung bereits verflogen und die Fahrer konnten sich schon ein wenig in der Gruppe akklimatisieren. Dann Chemnitz, schon wieder am Nischel vorbei, bei familiärer Begleitung und Fan Jubel von den Straßenrändern haben wir wirklich an jeder Ampel bei Rot gehalten und genossen diese ruckelige Stadtdurchfahrt nicht wirklich. Der Weg zum Kap war ja noch weit und die Temperaturen stiegen und stiegen.fiko22 5
In Grimma lockerte Uwe aus Leipzig unsere Fahrt etwas auf. Wir lernten uns im vergangenen Jahr in Kitzbühel zum Radmarathon kennen. Dort fuhren wir an der Spitze der Rennleitung und er sicherte mir mein Finish! Vielen Dank noch einmal. Heute begleitete er mich ein paar Kilometer durch die Stadt und jubelte den anderen Gruppen als „Dynamo Feuerwehrmann“ zu. Nach dieser Aufmunterung sollte es episch werden. Die nordsächsischen Wellen und die immer noch steigenden Temperaturen sorgten für reichlich Wasserbedarf bei den Fahrern. Die Crew war dafür hervorragend vorbereitet, aber es war trotzdem heiß auf dem Rad. Über dreieinhalb Stunden fuhren wir dann bei rund vierzig Grad in Richtung Norden. Zum Glück waren hier noch einige Baustellenumfahrungen eingebaut, so dass das Zwischenziel nicht wirklich näherkam. Die Kreisläufe der Körper wurden auf eine harte Probe gestellt. Nicht jeder Fahrer konnte diesen extremen Belastungen standhalten. fiko22 6Auch ich hatte nach der Tankstellenpause oder währenddessen ein bzw. mein absolutes Tief. Die Wasserkühlung aus der Autowaschanlage hielt nur kurz an, eine Coca-Cola vom Tresen rettete mir wohl mein Durchkommen. An Essen war nicht zu denken, aber da machte ich mir keine größeren Sorgen, ich hatte ja noch meinen Powerbar-Hydro-Mix in meiner zweiten Radflasche. Auf der weiteren Strecke kam es mir schon vor, dass sich der Steppenläufer (Salsola tragus), auch bekannt als Steppenhexe oder Tumbleweed über die Straße rollt und sich nicht wie in Texas, sondern hier in den brandenburgischen Weiten weiter verteilt. Waren das die ersten Wahnvorstellungen??? Schnell noch etwas Wasser aus der Radflasche über den Kopf tröpfeln und weiter. Potsdam, wo bleibt dieses beschi… Potsdam? Auf den Straßen und Gehwegen waren keine Menschen zu sehen und zu allem Übel, benetzten noch so manche Straßenanrainer ihre frischen Steaks auf dem Grill noch mit ein paar Spritzer`n Bier, so dass der trockene Mund eigentlich immer trockener wurde. Es war heiß, nur nicht anhalten, das Visier oben lassen und für ausreichend Trinknachschub sorgen.
Potsdam - endlich erreichten wir den staubigen Pausenplatz. Wir hatten rund 2h Verspätung. Vorher, als das komplette Feld ins Schweigen vertieft war, als die Pulskurve zur Leistung in keinem guten Verhältnis stand, da habe ich meine Pausenlogik mehrfach überdacht – warme Sachen anziehen, etwas kleines Essen, Tee trinken und Flaschen füllen. Nur nicht von den Prinzipien abweichen. Es kam wieder einmal anders als gedacht.
Da saßen sie nun, die Fahrer der Gr.1, welche der Hitze und dem höheren Tempo der Gruppe leider nicht mehr folgen konnten- mein Präsi, der Dirk, der Bäcker und noch einige andere Fahrer. Hier war nun meine Spezialbetreuung nötig. Nach einem eindringlichen Appell trank Bernd ab sofort nur noch Kamillentee, sogar in der Radflasche. Sein Magen hat wieder verrückt gespielt und die Hitze hat ihm den Rest gegeben. Das neue Ziel war fortan, regenerieren in der Gr.2 und bis zum Kap durchfahren. Die Versorgung des „Patienten“ warf mich ein wenig aus meinem Zeitplan. Umziehen war noch drin, aber der Rest… leider nicht. Das Feld reihte sich schon zur Abfahrt auf, die Polizei war auch schon abfahrbereit und ich stand ich noch am Tresen und wollte Cola und Wasser und, und, und… Wieder nichts Richtiges gegessen und wieder musste die Notreserve der zweiten Flasche herhalten bis zum nächsten Halt – Gransee. Auf ging`s in Richtung Nacht, nach Norden und durch Potsdam. Die Polizeieskorte ist immer wieder ein Riesengaudi. Alle Passanten wurden auf uns aufmerksam und jubelten dem Fahrerfeld zu. Wenn die wüssten, dass wir noch nicht einmal die Hälfte hinter uns hatten. Hier ein Schnappschuss der Gr.1 – TeamERZTALER (vorne, mitte, hinten) hatte sich auf drei Fahrer in diesem Feld dezimiert, was knapp 18% der Gruppe entsprach. Diese Quote war auch am Startpunkt schon einmal da.
fiko22 9Als Verfolgergruppe machten wir uns dann ebenfalls auf den Weg. Dank der GPS-Verfolgung konnten unsere Angehörigen daheim die live Webcam nutzen und die Vorbeifahrt vor dem Brandenburger Tor in Potsdam beobachten. Keine Stürze in der Stadt, die Nacht brach dann so langsam ein und die Temperaturen sanken… Genug Verstärkung aus der Gr1 hatten wir ja nun bekommen, alle hatten Leuchtmittel montiert und die WildWunderWaffe aus dem Jahr 2019 angelegt. Frohen Mutes verging die Zeit bis Oranienburg sehr schnell, doch die rasant kühler werdenden Temperaturen sorgen bei einigen Mitfahrern für neuerliche Problemchen. Mein Hals, meine Beine und Arme waren gut und lang bekleidet- ich fror also nicht. Manch anderer Mitfahrer ersehnte den kommenden Pausenstopp umso mehr, als die Kälte begann in die Gelenke zu kriechen.
Dann die geliebten Abschnitte mit den berüchtigten Wildwechseln. Ja sie waren da, die blauen Armbänder und ja sie waren ebenfalls da, die Wildtiere…? Manchmal raschelte es im Busch, manchmal kam die Meldung „Rehe“ und dann geschah es. In Blickrichtung aus der fünften bis hin zur ersten Reihe, beobachtete ich die Szene. Es war still in der Gruppe, war da etwa Angst zur riechen? Riechen Rehe Angst? Mehr als fünfzig Männer im besten Alter hatten Angst vor ein paar Rehen - oh ja- zu Recht! Mit einem Mal lief ein Reh auf der linken Waldseite parallel zu unserem Feld und auch so schnell oder schneller als unser Feld auf dem Rad fuhr. Es sah sicherlich die blaue Wand, wo doch kein Durchkommen sein sollte. Wir beobachteten die Lage und fuhren etwas gemäßigter weiter -allzeit bremsbereit und äußerst angespannt. Doch heute sollte es wieder so sein, das Tier bog mit einem gekonnten Schwung nach rechts ab, auf die Fahrbahn in Richtung des Fahrerfeldes, hatte aber sogar in der Zwischenzeit die Spitze des Feldes erreicht und schoss vor der ersten Reihe über die Straße! Mir stockte der Atem, ich fuhr auf der Innenbahn und hatte nur den Graben als Ausweichmöglichkeit. Das Reh war allerdings so schnell, dass es vor der ersten Reihe über die Straße rannte und wir ein solches Glück hatten, dass es nicht mit den Hufen auf dem glatten Asphalt ausgerutscht ist. Es war auf der anderen Straßenseite. Dank Umsicht, dank Vorsicht und Dank der WildWunderWaffe ist nichts passiert. Wir haben alle tief durchgeatmet. Doch nur nicht leichtsinnig werden. Da kam schon das nächste Schild „Unfallschwerpunkt Wildwechsel“. Ein paar Mal raschelte es auch noch im Gebüsch, aber die Angst ist aus dem Fahrerfeld gewichen- oder doch nicht? Direkt vor mir stimmte ein Rennfahrer ein lustiges Lied an. Ich habe nicht viel verstanden, die Windgeräusche waren lauter- aber Rehe gab es seitdem nicht mehr an der Strecke… Die mögen wohl diese Art von Gesang auch nicht…. Gransee war nicht mehr weit und ich sollte endlich dort etwas essen!
Da saßen wir nun, der Tom und ich und alle anderen der Gr.2, aßen feine KartuffelSubbe mit Wiener und Haferschleim mit Heidelbeeren, Kamillentee und Schokolade- einfach herrlich. Die eingefahrene Verspätung hielt sich wacker- immer noch 2h.

Auch der Präsi hatte wieder Appetit und er nutze die Erholungsphase in unserer Gruppe, um sich für das Kap zu regenerieren und um danach wieder richtig angreifen zu können. Vor der Abfahrt wollte Diddi sich noch etwas von meiner Polstercreme leihen - „…ne, ne leihen is ni- hier nimm eefach…“. Dann gings auch schon weiter. Mitten in der Nacht durch Nord Brandenburg und auf nach MeckPomm. Mit dem richtigen Partner als Nebenmann, vergeht die Nacht wie im Fluge. Ein kurzer Biostop ermöglichte mir, die in Dosen gereichte Flügellimonade nachzutanken, extrem süß, aber wach bleibt man. Der Morgen dämmerte und ich dachte so bei mir... „irgendwie ist mir hier alles fremd…“ja klar, wir hatten ja die 2 Stunden Verspätung im Gepäck und somit waren helle Abschnitte schon dunkel und hier wurde es schon hell, wo es in den Jahren zuvor immer noch dunkel war, auch logisch.
In dieser Phase der Tour ist es wichtig, sich immer wieder zu konzentrieren und die Nachbarschaft bei Laune zu halten. Bei mir kam leider kein Lied zu Stande - die Rehe waren auch bereits weg. Im Feld wurde wieder reichlich gemurmelt, der neue Tag brach an und man sprach über einsetzenden Regen. OK zur Wetterlage gab es nun folgenden Stand, es war nun arschkalt. Der Temperaturwechsel von über vierzig Grad am Tag auf knapp elf Grad in der Nacht ist echt heftig. Man bekommt zwar wieder ordentlich Sauerstoff in die Lungen, aber unser Tour Motto verschwamm so ein wenig „… ans Meer zum Baden fahren…“? Warten wir es ab, vielleicht war mit baden ja auch ein oder zwei Starkregenereignisse gemeint, die Gedanken ließen nun jede Schlussfolgerung zu, leider. Die Ausschilderungen auf der B96 nach Stralsund waren schon längst zweistellig, das war gut und die nächste Rast lag direkt vor uns. Wieder eine Kleinigkeit essen und die Flaschen füllen - die waren aber noch voll, jetzt wieder mehr trinken- etwas Warmes trinken und Schokolade. Hier, in Altentreptow, verbrachte ich die Pause neben unserem Capitano, dem Daniel. Wir saßen so schön auf dem Bordstein, aßen und tranken. Ich holte mir dann auch noch etwas Nachschlag, da bemerkte ich ein eigenartiges Kribbeln am hinteren Hals. OK, die Nerven spielen nun völlig verrückt…? Die Misere klärte sich dann schnell auf, als ich Enno fragte, ob er mal schauen könne, was da mit meinem Hals los sei. Der professionelle Rettungssanitäter der Dresdner Berufsfeuerwehr erkannte den Ernst der Lage sofort… Ich bin einem Angriff der Altentreptower Killerameisen zum Opfer gefallen. Ich bat ihn, die gefährlichen Insekten zu entfernen… eins, zwei, drei, vier zählte er „… bitte nicht zählen, bitte befreie mich nur von dieser Plage.“ rief ich ihm zu. Mein gesamter Rücken war voller Ameisen und unter meinem Halstuch waren ebenfalls tausende. Er half mir die Tiere vorsichtig zu entfernen und ich schüttelte meine gelbe Radteamjacke aus, um die restlichen Insekten loszuwerden. Das gelang nur mäßig und viele der Halstuchameisen, welche Art es genau war wird sich nie ergründen lassen, hatten bereits gebissen und die Ameisensäure, bekannt auch als Abführmittel, tat den Rest. Es führte diesmal nicht ab, aber es brannte und kribbelte sehr. Auch noch mind. eine Woche nach dieser gemeinen Attacke hatte ich einen geschwollen, juckenden Hals. Also Vorsicht bei der Wahl der Sitzmöglichkeit.
Die Fahrt ging dann recht unauffällig weiter. Zum Schutz vor dem angedrohten Regen, hatten wir alle unsere Regenjacke in der Trikottasche. Die Ablenkung mit dem schmerzenden Hals kam mir sehr gelegen. Da hatte ich so eine Art Gegenschmerz als Ausgleich für den Sitzbereich und die Beine. Bald schnupperten wir Ostseeluft, wenn man sich in unserem Zustand sehr viel Mühe gab, dann nahm man diese sicherlich schon in der Hansestadt Demmin wahr. Da es vor uns kleine Schauer gegeben haben musste, sind wir mit etwas feuchten Beinen und Schuhen zum verspäteten Frühstück in der Hansestadt Stralsund eingerückt. Eine Sachsenfahne begrüßte uns bereits am Ortseingang. So weit von Daheeme entfernt, aber um diese Uhrzeit- ein sehr schönes Gefühl, dass die Familie an der Strecke steht! Das letzte Essen vor dem Kap, Nußecken und Nußbrot, Schokolade und Kaffee, ein Menü, dass die Kräfte bis zum ersehnten Leuchtturm mobilisieren sollte.
Gemeinsam, mit dem rot beschuhten Bäcker, fuhren wir über den alten Rügendamm in Richtung Fähre. Der Wind frischte auf und trocknete die Straßen. Den Wind habe ich noch nicht erwähnt, aber dieser kam vorrangig aus West/Südwest und dann auf der Insel Rügen aus Nord.

fiko22 11Wie man unschwer erkennen kann, die Stimmung im TeamERZTALER Gr.2 war auf der Wittower Fähre wieder sehr ausgelassen. Die Patienten sind gut durch die Nacht gekommen und die beiden konstanten Gr2 Fahrer konnten erfolgreich zur Stabilität dieser Fahrgemeinschaft beitragen. Es war ein schönes Gefühl - kurz vor dem Ziel, 5 Minuten Bootsfahrt und dann „die letzte Meile“, was in unseren Fall immer noch 25km waren.
Der Leuchtturm am Kap Arkona 2022 – wir sahen ihn schon in der Ferne und er kam schnell näher. Die Gedanken waren nun völlig frei und das Ziel so nah. Zwölf Stunden zuvor hätte ich schon fast nicht mehr daran geglaubt, dass ich diesen Ritt durchstehe - es ist am Ende doch alles >> Kopfsache! Der Teamgeist war bei dieser Fahrt auch ein wichtiger Faktor zum Überstehen dieser Strapazen. Unser TeamERZTALER & friends sammelte sich nach Putgarten, dem wirklich letzten Dörfchen vor dem Kap. Wir rollten alle gemeinsam den letzten kleinen Hügel hinauf und jubelten uns selbst zu. Brauchten wir eigentlich gar nicht, da mittlerweile sehr viele Tagesgäste, Freunde und Verwandte den Zielstrich säumten und uns wirklich einen sehr großen Beifall gaben. Clemens benannte im Nachhinein dieses Stück norddeutsche Straße als – die Applauskurve. Ihm ging es sehr gut. Ich meinte vernommen zu haben, dass der Wechsel von vier auf zwei das einzig Richtige war und nun die persönlichen Leistungsgrenzen vom Clemens völlig neu definiert werden mussten.
Es war geschafft! Die Anspannung der letzten Stunden lag vor dem Ziel und der Stolz war in uns. FichKona V9.0 war für mich wieder einmal eine neue Erfahrung, wie auch jedes andere Mal neue Erfahrungen mit sich brachten. Es gab viel zu erleben und viel zu bereden. Es hat mir Riesenspaß bereitet mit Tom, Thomas U., Clemens, Bernd, Dirk, Diddi, Rico und wie sie alle heißen gefahren zu sein. Ich danke Euch allen dafür!

Die wichtigsten Aktivitäten waren nun fast abgeschlossen, da die Zielfotos bereits alle im Kasten waren. Nun konnten wir fast zum wesentlichen Teil der gesamten Reise übergehen - Bratwurst und/oder Matjes uuuund Bier am Kap. Der Wirt am Imbiss brauchte heute keine extra Frühschicht einlegen – wir haben unsere anfängliche Verspätung von 120min bis ins Ziel gerettet, das macht die DB doch auch so- oder?  
Wir waren sehr froh, als uns unser Lucky aus der Gr1 so herzlich begrüßte und alles gut gegangen ist. Gemeinsam tranken wir unser wohl verdientes Zielbier und nach dem nächsten bzw. letzten Regenschauer traten wir den Weg ins Camp an. Ja, so war die FichKona 2022 schon wieder zu Ende, aber halt – da war doch noch was…
Ach ja, das hätte ich fast vergessen, wir brauchten am Camp ja noch unser Strandbild, bei dem ich mir zu guter Letzt noch einen Platten eingefahren hatte, einem kleinen Glassplitter auf der Strandzufahrt sei Dank… grrrr.
Es kommt, wie es kommen musste, wir hatte es so gegen zwölf Uhr mittags und waren tatsächlich im Herbst angekommen. Wind aus Nordost und magere fünfzehn Grad Außentemperatur- zur gleichen Zeit im Heimatland - fast das Dreifache! Gott sei Dank… die Wassertemperatur war wesentlich wärmer als die Luft und somit stand dem „Badevergnügen“ nichts im Wege. Nach rund fünfzig Sekunden Abkühlung reichte es dann auch mit Ostsee und die Nachbereitungen konnten fortgesetzt werden >> essen und trinken.

fiko22 12Das war die FichKona 2022 aus meinem Blickwinkel. Fazit: Das Bier und die Bratwurst am Kap sind unschlagbar…Die technischen Daten sprechen für sich. Durch optimale Vorbereitungen hatte mein Garmin am Kap noch 100% Akku und somit fehlte nicht ein Meter. Bei der letzten FichKona habe ich mich von meinem Canyon Ultimate verabschiedet, so richtig begrüßen kann ich aber den Nachfolger, ein BMC SLR2 TeamMachine nicht >> wir sind ja bereits drei Jahre zusammen und haben nun auch schon 35Tkm gemeinsam verbracht.
Nun dennoch – herzlich willkommen mein „treuer“ Freund hier am Kap und eben auch direkt bei mir. Wenn du damals gewusst hättest, wie wir beide gemeinsam leiden werden, dann hättest du dich bei bike24 besser verstecken sollen!
Diese Zusammenfassung beruht auf eigenen Erlebnissen und Wahrnehmungen. Für die Vollständigkeit und Richtigkeit übernehme ich keine Garantie, zumal ich mal müde war und sicherlich bei dem Fahrtwind nicht immer alles richtig verstanden habe. Auch die Namen sind frei erfunden und Ähnlichkeiten eher zufällig. Zur Erläuterung der Daten, in der verstrichenen Zeit sind zwei Stunden Bier trinken und Bratwurst essen am Leutchtturm enthalten. Unsere tatsächliche Bruttozeit ist mit 25h 25min registriert.


Ein ganz besonderer Dank geht natürlich auch an die gesamte FichKona Crew! Unermütlich ver- und umsorgten sie uns, kümmerten sich um die schnelle Behebung von Defekten, nahmen ein paar wenige Hitzeopfer mit an Bord und liessen sie auch wieder frei und vor allem hatten sie ausreichend Trinkwasser dabei. Ganz lieben Dank, lieber Olaf und dem gesamten FiKo-Team!

 

Bis zum nächsten Mal - hier oder woanders - happy riding and be safe out there!
Euer Jens (alias BergZwerg_jc@strava) - Radteam Tharandter Wald
#radteamtharandterwald #erztaler #dapoocycling #ochsentour #fichkona

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